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Erschienen am 25.05.2010 00:00
Lautenklänge und Kanonendonner
Von Rainer Glissnik 
Kronach - Was für ein großartiges Spektakel! Mit "Crana Historica" ist den Veranstaltern und Mitwirkenden in diesem Jahr ein ganz großer Wurf gelungen. Von weit her strömten am Pfingstwochenende die Menschen zur Festung Rosenberg, einer der größten Burganlagen Europas. Die Veranstalter, der Historische Verein Kronach mit Stephan Roger und Jürgen Jakob an der Spitze, hatten in unglaublicher Vorarbeit ein fantastisches Programm auf die Beine gestellt. Leider war die Resonanz bei den Kronachern selbst nicht ganz so groß. Die Region hätte durchaus stärker vertreten sein können. 40 Euro für drei Tage inklusive Konzert waren einigen wohl zu viel.
Mehr Besucher gewünscht
Die Zahl der Konzertbesucher stellte die Veranstalter zwar zufrieden, es hätten aber auch hier noch einige Besucher mehr sein können. Das musikalische Angebot jedenfalls hätte es verdient gehabt.
Wer den Weg zur Festung fand, kam voll auf seine Kosten und tauchte ein in ein buntes, lautes Mittelalter. Männer in Rüstungen und Frauen in historischen Gewändern, Schaukämpfe, ein bunter Markt mit Korbflechter, Waschfrau und Töpfer, Gaukler, Theatergruppen und Musikanten prägten das Bild, das immer wieder von kräftigem Kanonendonner erschüttert wurde. Vor allem die kleinen Besucher kamen bei dem Anblick von Rittern und Burgfräulein, Soldaten und Händlern aus dem Staunen kaum mehr heraus.
Auch die stellvertretende Kronacher Bürgermeisterin Angela Hofmann - stilecht in ein bezauberndes historisches Outfit gekleidet - konnte sich dem Flair des dreitägigen Festivals nicht entziehen. Eine der größten Festungsanlagen Europas rücke dank Crana Historica wieder in den Mittelpunkt des Interesses, freute sie sich und dankte ausdrücklich Stephan Roger, Jürgen Jakob und deren Mitstreitern. Rund 10 000 Besucher würden zu dem Event erwartet. Landrat Oswald Marr zeigte sich ebenfalls begeistert. Von dem Event, war er sich sicher, profitiere der gesamte Landkreis.
Dass die Mühen der Organisatoren nicht umsonst waren, zeigt ein Blick ins Internet. "Nadine" schreibt zum Beispiel im Gästebuch von "Crana Historica": "Ich war vor zwei Jahren schon da und habe die letzten zwei Tage wieder bei eurem tollen Fest verbracht. Es war wunderschön... alles viel schöner wie vor zwei Jahren - man merkt, ihr habt euch Gedanken gemacht."

Historischer Verein Kronach e.V. unterstützt die Ausschüsser
KRONACH. Eine große Freude konnte der Vorsitzende des Historischen Vereins Kronach (HVK), Stephan Roger, den Mitgliedern der Cronacher Ausschuss Compagnie (CAC) dieser Tage machen, indem er ihnen drei wertvolle Repliken historischer Schusswaffen für ihre Präsentationen zur Verfügung stellte.
Der HVK hatte aus dem Nachlass eines verstorbenen Waffensammlers drei für die Zeit des Dreißigjährigen Krieges typische Schusswaffen erworben und zwar in Form ausgezeichneter, etwa 30 Jahre alter Repliken, die in dieser Qualität heute nicht mehr auf dem Markt zu finden sind.
Alle drei entsprechen Waffen aus Suhler Fertigung und sind damit ohne Weiteres für den Gebrauch durch die Kronacher Ausschüsser geeignet, denn Suhl war, zumindest in der ersten Phase des Dreißigjährigen Krieges die wichtigste Waffenschmiede in der Mitte Deutschlands, woher damals auch tatsächlich Waffen für unsere Region bezogen worden waren.
Im Einzelnen handelt es sich um eine schwere Luntenschloßmuskete im Kaliber .63, nach einem Original um 1600, die man ohne Stützgabel („Fourquette“) nicht handhaben konnte und die typisch waren für die erste Phase des 30-jährigen Kriegs. Das Modell entspricht genau den Musketen, die von Jacob de Gheyn in seinem berühmten Instruktionshandbuch von 1608 abgebildet sind.
Überaus interessant ist auch der Radschloßkarabiner, mit dem eigenartigen „Paddelschaft“, wie er für die Zeit um 1610 typisch für Suhler Gewehre war. Die dritte Waffe ist eine Radschloßpistole Kaliber .45 des Suhler militärischen Typs nach einem Original um 1630.
Passend zur Muskete noch die hervorragend gearbeitete Replik eines „Spundbajonetts“: die Frühform dieser später zur Standardseitenwaffe jedes Soldaten gewordene Waffe, die um 1630, mit einem konischen Griff versehen, einfach in die Mündung der Muskete eingesteckt wurde und ihm damit, wenn er „sein Pulver verschossen“ hatte, quasi eine kurze Pike in die Hand gab. Eine originalgetreue Pulverflasche vervollständigte die Ausrüstung.
Obrist-Wachtmeister Walter Schinzel-Lang freute sich, für das „Museum zum Anfassen“ der Kronacher Ausschüsser drei repräsentative Stücke zur Verfügung gestellt zu bekommen, die man spätestens bei „Crana Historica II“ zu Pfingsten hiesigen Publikum vorführen wolle.
Obristwachtmeister Walter Schinzel-Lang M.A., Stephan Roger und Jürgen Jakob
Dreikönigstreffen 2010
Traditionelles Dreikönigstreffen
Elan der Cronacher Ausschuß Compagnie auch im zehnten Jahr ungebrochen
Ehrenmedaillen verliehen
KRONACH. Auf ein arbeitsreiches, aber auch sehr erfolgreiches Jahr konnten die „allzeit tapferen und frommen Mannen“ der Cronacher Ausschuß Compagnie (CAC) bei ihrer traditionell am Dreikönigstag abgehaltenen Jahresversammlung im "Scharfen Eck" zurückblicken. Mit dabei waren natürlich auch die "Tapferen Weiber von Kronach", ohne die die Reenactment-Aktivitäten der CAC ja nicht zu denken sind. Obrist-Wachtmeister Walter Schinzel-Lang M.A. freute sich vor allem, den 1. Bürgermeister der Lucas-Cranach-Stadt, Wolfgang Beiergrößlein, bei der diesjährigen Ausschuß-Jahresversammlung begrüßen zu können. In einer informativen Präsentation stellte Schinzel-Lang die über 25 Veranstaltungen vor, an denen die Cronacher Ausschuß Compagnie im Jahr 2009 mitgewirkt hatte, davon zahlreiche auch außerhalb Kronachs, wo die geschichtsbegeisterten Ausschüsser gewissermaßen als die historischen Botschafter ihrer Heimat unterwegs waren. Neben dem „Historischen Stadtspektakel“ in Kronach waren drei Auslandsauftritte besonders zu erwähnen, nämlich „Montur & Pulverdampf“ im Heeresgeschichtlichen Museum Wien, „Cetăţi Transilvane“ im rumänischen Hermannstadt (Sibiu) und „Křivoklátské Panování“ im tschechischen Kreis Rakovník. Bei beiden letzteren kam noch jeweils eine Vorinformationsreise einer CAC-Abordnung hinzu. Insgesamt war man 22 Tage unterwegs und legte über 8500 Kilometer zurück. 1. Bürgermeister Beiergrößlein bedankte sich für die Einladung und die interessante Darstellung der historischen Aktivitäten, die ihm in diesem Ausmaß bisher nicht bewußt gewesen sein. Er danke daher allen Ausschüssern und den „Kronacher Weibern“ mit ihren „Frontleuten“ Walter Schinzel-Lang M.A. und Kreiskulturreferentin Gisela Lang M.A. ganz herzlich für ihren nimmermüden ehrenamtlichen, aber keineswegs selbstverständlichen Einsatz. Die zahlreichen historischen Aktivitäten in und außerhalb Kronachs seien mittlerweile zu einem echten Markenzeichen geworden, das zum positiven Image der Stadt erheblich beigetragen habe: „Mit solchen Pfunden muss man wuchern!“ Der Bürgermeister freute sich über die Förderzusagen zu den Erhaltungsmaßnahmen der Festung Rosenberg und darüber, daß in diesem Jahr mit „Crana Historica II“ dieses Juwel der Stadt wieder mit Leben erfüllt werde und versprach hierzu weitere gute Zusammenarbeit und Unterstützung von Seiten der Stadt Kronach.

Walter Schinzel-Lang schloß sich den Dankesworten an und erklärte, daß es auch Aufgabe der Ausschüsser sei, dem Weitblick und der lobenswerten Haltung der Kronacher Vorväter gerecht zu werden, die 1888 die Festung kauften und sie so vor dem Verfall und Abbruch retteten: „Die alten Mauern erhalten ist eine Sache, sie mit Leben erfüllen aber ebenso wichtig – und wir tun das gerne.“ Schinzel-Lang erwähnte dankend auch die Erstellung und qualitätvolle Betreuung des Internetauftritts der Ausschuß-Compagnie, die mittlerweile in sieben europäischen Sprachen ein echtes Aushängeschild für Kronach und begehrte Informationsquelle für seine Geschichte geworden sei. Jürgen Jakob, Philip Kraus, Tina Hain und Szilárd Vadász zeichneten hierfür verantwortlich. „In Anerkennung erwiesener Verdienste, löblicher Standhaftigkeit und gleichmässiger Devotion“ verlieh der Obrist-Wachtmeister anschließend die von ihm 2006 gestiftete Ehrenmedaille der Cronacher Ausschuß Compagnie an Musketier Dietmar Pohl und die beiden „Tapferen Weiber“ Gabriele Schmidt und Andrea Trebes-Pohl. Corporal Karl-Heinz Pohl wurde mit der Ehrenmünze für die häufigste Teilnahme an Schießveranstaltungen geehrt. Der Reigen der Aktivitäten im Jahr 2010, dem zehnten Jahre der Cronacher Ausschuß Compagnie, beginnt mit dem "ewigen Jahrtag" für Fürstbischof Melchior Otto am 17. Januar in der Kronacher Stadtpfarrkirche. Höhepunkt des Jahrs und ihrer historischen Aktivitäten wird sicherlich die Neuauflage des Festivals der Geschichte „Crana Historica“ am Pfingstwochenende sein. Daneben steht unter anderem ein Feldlager des 30-jährigen Kriegs auf der Wülzburg bei Weißenburg in Bayern auf dem Jahresprogramm, die 725-Jahr-Feier in Weißenbrunn, die erneute Beteiligung bei „Montur & Pulverdampf“ des Heeresgeschichtlichen Museums Wien und die Teilnahme an der "Schlacht um Grolle" in den Niederlanden, der europaweit größten Reenactment-Veranstaltung der Epoche des 30-jährigen Krieges mit über 800 Teilnehmern. Natürlich wird sich die CAC auch 2010 wieder schießsportlich betätigen, unter anderem an der Internationalen Meisterschaft der Großgeschütze in Sondershausen. Viele weitere Veranstaltungen werden hinzukommen, so Obrist-Wachtmeister Schinzel-Lang, an denen die weißrote Stadtfahne hochgehalten und damit der Name Kronach durch die Ausschuß Compagnie weithin bekannt gemacht werde.
Ausschüsser beim historischen Vergleichsschießen in Aschaffenburg
ASCHAFFENBURG/KRONACH. Bereits zum dritten Mal fand das „Musketier-Rendezvous“ der „Churfürstlichen Musketiere zu Aschaffenburg“ statt. Mit dabei war natürlich auch die Cronacher Ausschuß Compagnie, die die historischen Aktivitäten der Aschaffenburger von Anfang an unterstützend begleitet und so die Patenschaft für diese Gruppe übernommen hatten. Auf diese Weise waren umgekehrt auch die interessanten Auftritte der Aschaffenburger Musketiere beim „Historischen Stadtspektakel“ und „Crana Historica“ in Kronach zustande gekommen. Das „Musketier-Rendezvous“ vereint diverse Reenactment-Gruppen im Wettkampf mit historischen Schußwaffen und entwickelt sich zu einem wichtigen Treffpunkt für Kontaktpflege und Networking in diesem Bereich, heuer mit Reenactors aus Aschaffenburg, Augsburg, Kronach, Memmingen, Tuttlingen und Waldkraiburg. Hatten die Ausschüsser im letzten Jahr die Wander-Scheibe „Gustav Adolf in Aschaffenburg“, die mit stilechten Luntenschloßmusketen ausgeschossen wurde, mit nach Hause nehmen können, mussten sie sie diesmal leider an die Memminger Musketiere abgeben. Die Mannen um Walter Schinzel-Lang haben sich aber fest vorgenommen, die Scheibe im nächsten Jahr wieder zu gewinnen. Mit dem 2. Platz beim Perkussionsvorderladergewehr-Damenpokal Vorlieb nehmen mußten auch die Kronacher Damen mit Gisela Lang. Wichtiger als der Sieg war jedoch der fachliche und persönliche Austausch und die Verpflichtung der anderen Reenactment-Gruppen, Pfingsten 2010 beim „Crana Historica II“ auf der Festung Rosenberg mit von den Partie zu sein.
Cronacher Ausschuß Compagnie in Křivoklát (Pürglitz) Freundschaft mit Westböhmen gepflegt
KŘIVOKLÁT/KRONACH. Ein ausgesprochenes Novum des alljährlich abgehaltenen historischen Festes auf der Burg Křivoklát (deutscher Name: Pürglitz) im tschechischen Landkreis Rakovník (Rakonitz) in Westböhmen war mit der Cronacher Ausschuß Compagnie die Beteiligung einer historischen Gruppe aus Deutschland.
„Křivoklátské Panování“, das heißt „Herrschen auf Pürglitz“, ist der Titel des traditionellen historischen Festes dort. Auf der alten böhmischen Königsburg wird alljährlich eine Erbhuldigung dargestellt, wobei die umliegenden, dem ehemaligen Herrschaftsgebiet derer von Fürstenberg zugehörigen Gemeinden ihre Ergebenheit beweisen und ihrem Burgherrn Speisen und Getränke verehren. Umrahmt wird das Ganze von einem Mittelaltermarkt und diversen historischen Darbietungen. Heuer präsentierten die Kronacher Ausschüsser sich, ihre Musketen und vor allem ihre Kanone „Krumpholzera“, die aus Sicherheitsgründen vor dem Burgtor abgefeuert wurde. Ihr Klang war weithin bis ins Berounka-Tal zu hören und war die absolute Attraktion des diesjährigen „Křivoklátské Panování“.

Die Cronacher Ausschuß Compagnie mit den Tapferen Weibern von Cronach vor dem Tor der Burg Křivoklát / Pürglitz mit (von links) Dietmar Pohl, Andrea Trebes-Pohl, Gaby Schmidt, Josef Barnickel, Gisela Lang M.A., Alexander Schirmer, Stephanie Pohl, Walter Schinzel-Lang M.A., Karl-Heinz Pohl, Stefanie Kern, Szilárd Vadász und Roswitha Roß. Es fehlt Tina Hain.
Der Kontakt zum Landkreis Rakovník war durch Uta Bräuer von der Podersamer Heimatstube in Kronach hergestellt worden, die mit ihrer Familie und Sigwalt Kaiser natürlich auch mit von der Partie war, handelte es sich ja gewissermaßen um einen „Gegenbesuch“. Denn bereits im Januar dieses Jahres hatten die Rakovniker ihre Ausstellung „Gemeinsame Sprache“ unter großem Zuspruch in der Galerie im Landratsamt Kronach präsentiert. Dabei geht es um die Wiederbelebung und die Erinnerung an die einstmals mehrheitlich von Deutschen besiedelte Kulturlandschaft des Jechnitzer Gebietes. Die tschechische Regierung unternimmt große Anstrengungen für die Entwicklung dieser Region, die einen Teil des größten Naturschutzgebiet Westböhmens beherbergt. Kreiskulturreferentin Gisela Lang M.A. überbrachte daher gerne die Grüße des Kronacher Landrats an die Rakovniker Bürgermeister, die alle historisch gewandet waren. Durch eine von Oswald Marr vermittelte Fahrtkostenunterstützung durch die Sparkasse Kulmbach-Kronach konnte der Besuch der Cronacher Ausschuß Compagnie – samt den „Tapferen Weibern“ – ermöglicht werden, wofür Obrist-Wachtmeister Walter Schinzel-Lang M.A. ausdrücklich dankte. Die Kronacher waren mit einer ganzen Seite im Tourismus-Prospekt für 2009 der Region Rakovnik vertreten und machten dadurch und durch ihre Präsentation auch umgekehrt den Landkreis Kronach in Westböhmen bekannt. Dank der Hilfe durch die neuen tschechischen Freunde kann der Internetauftritt der Ausschüsser kann nun auch mit einem Informationstext in tschechisch aufwarten.
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